Saturday 19. May 2012

Inhalt:

Weiterbildung im Ausland

Durch gegenseitigen Austausch lernen

 

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Ein vierwöchiger „Arbeitsurlaub“ in Nigeria 


Was veranlasst eine 43-jährige verheiratete OP-Schwester und Mutter von zwei Kindern im Alter von zehn und zwölf Jahren, einen vierwöchigen Arbeitsurlaub in Nigeria zu verbringen? Das werden sich jetzt wohl viele Leser fragen! ...

 

 

Für mich war es die Realisierung eines lang gehegten Traumes, den ich mir durch Univ.-Prof. Dr. Rainer Passl, Unfallchirurge und ehemaliger ärztlicher Leiter des UKH-Graz, erfüllen konnte. Dieser betreut seit 1992 mit sehr großem Idealismus ein Missionsspital in Nigeria.

Gemeinsam flogen wir am 26. Jänner 2005 mit ca. 80 kg Gepäck von Graz via Frankfurt nach Lagos ab. Dabei wurden nur die notwendigsten persönlichen Utensilien mitgenommen. Vielmehr transportierten wir das erste EKG-Gerät, 100 Neutralelektroden für die HF-Chirurgie, Kauterkabel, Desinfektionsmittel, Nahtmaterialien etc.


 

Auf dem Weg in ein fernes Landunknown

Das Ziel war das Sacred Heart Hospital (SHH) in Abeokuta, 100 km nördlich von Lagos. Es ist ein katholisches non-profit Krankenhaus und wurde 1895 von europäischen Missionaren gegründet.

Für rund eine Million Menschen gibt es dort nur zwei Krankenhäuser. Das SHH verfügt über eine Kapazität von 430 Betten und umfasst die Bereiche Chirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Kinderheilkunde, Interne, Zahnheilkunde sowie Augenheilkunde. 125 Betten stehen für Tuberkulosepatienten zur Verfügung. Eine Apotheke, Zentrallabor und das Röntgen sind angeschlossen. Tausende Patienten werden in Außenkliniken betreut. Außerdem beherbergt das Spital eine Schwesternschule.

Schon bei der ersten Fahrt von Lagos nach Abeokuta erlebte ich eine andere Welt. Mit dem Ambulanzbus und Blaulicht passierten wir 15 Polizeikontrollen mit Maschinengewehren.

In Abeokuta angekommen, wurden wir sehr herzlich empfangen und ich konnte Oberschwester Helena (eine gebürtige Irin) eine Geldspende von meinen Arbeitskollegen in der Höhe von 800 Euro übergeben. In Anbetracht des Monatseinkommen von einer OP-Schwester in der Höhe von 80 bis 100 Euro eine sehr große Summe.

 

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Univ.-Prof. Dr. Rainer Passl und DGKS Bettina Pöschl während einer Operation

 

Anspruchsvolle Aufgaben

Meine Aufgaben für die nächsten vier Wochen sollten sein: eine OP-Schwester anlernen, den OP-Ablauf verbessern, Instrumentensets zusammenstellen – und natürlich selbst tatkräftig mitarbeiten.

Die beiden OP-Säle waren zwar klimatisiert, aber ich wurde mit Moskitos, Fliegen und Spinnen konfrontiert, die durch offen stehende Fenster und Ventilatorenöffnungen in den OP gelangten. Die Glaskästen waren verschmutzt, rostige und neue Instrumente lagerten vermischt in Containern, deren Filter zerrissen waren. Die Standgefäße enthielten antibakterielle Lösungen. Die OP-Wäsche und die Mäntel aus Baumwolle wiesen sehr viele Löcher auf – eigentlich war alles unsteril!

Durch einen Hilfstransport, den Professor Passl im Herbst 2004 organisiert hatte, konnten wir bereits eine Woche später 13 Container und viele Instrumente erneuern. So gelang es mir, zwei Laparotomie-, ein Basis-, ein plastisches Set und zwei orthopädische Sets nach europäischem Standard zu erstellen.

 
   

   

Dabei konnte ich meine afrikanischen Kollegen zur unknown

Mithilfe motivieren und ihnen auch die Technik der

selbst gemachten Kugeltupfer zeigen („big peanuts“). (siehe Bild rechts) Dieses Teamwork löste die anfängliche Distanz endgültig auf.

Nebenbei instrumentierte ich auch die verschiedensten Operationen in der Bauchchirurgie und bereitete die erste Rectoskopie, Cystoskopie und Gastroskopie im Sacred Heart Hospital vor.

                    

 

 

 

 

 

 

 

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Durch die großzügige Unterstützung der Krankenhausleitung, konnte ich auch sehr viel vom Land selbst kennen lernen. Bei diesen Reisen wurde ich von der Größe dieses bevölkerungsreichsten Land Afrikas zutiefst beeindruckt.

So besuchten wir den Yankarii National Park und Frau Susanne Wenger in Oshogbo. Sie ist eine gebürtige Grazerin, 90 Jahre alt und lebt seit 50 Jahren als Künstlerin und Yorubapriesterin in Nigeria.

Abschließend möchte ich sagen, ja ich habe es geschafft und meine gesteckten Ziele erreicht, mein profundes Wissen nachhaltig an meine afrikanischen Kolleginnen und Kollegen weitergegeben und neue Freundschaften auf dieser großen, weiten Welt geschlossen. Auch wenn es sicher nur ein winzig kleiner Tropfen auf den berühmten heißen Stein war, so kann ich jedem nur empfehlen, einmal solche Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Mich hat das „Virus“ Afrika infiziert und ich werde sicher wieder mit nach Nigeria reisen.

 


 

 

 

 

 

Es gibt noch viel zu tun!

Da sich das Spital mit seinen derzeitigen Einkünften und Spenden nur das Notwendigste finanzieren kann, um den jetzigen Standard zu halten, aber die medizinische und pflegerische Ausrüstung bis zu 50 Jahre alt ist, sind zusätzliche Spenden unbedingt erforderlich.

Ich möchte an dieser Stelle auch meiner Familie für ihr Verständnis danken!

 

DGKS Bettina Pöschl

E-Mail
 
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 Instrumentencontainer

 Blick in die „Zentralsterilisation“ des Krankenhauses

 
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 OP-Reinigung

 Instrumentenchaos

 

 


 
 

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